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Maisstärke

Das ultimative langsam verdauliche/niederglykämische Kohlenhydrat. Im Jahr 1908 landete ein kleiner landwirtschaftlicher Export aus China an der Küste von Amerika. Es war ein einzigartiger Maiskern, der, wenn man ihn in zwei Hälften schnitt, aussah, als ob er mit Wachs gefüllt wäre. Dieses goldene, ungeschliffene Juwel wurde als Waxy Maize Starch (WMS, auf Deutsch „wachsartige Maisstärke“) bekannt. Im Jahr 1942 wurde die erste Ernte wachsartiger Maisstärke zum Zweck der kommerziellen Nutzung von zwei unterschiedlichen Stärkefirmen im Staat Indiana ausgesät und verarbeitet. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam WMS in Wäschestärke, Kleber, Haftcreme, Kuchenfüllungen, Salatdressing und als Stabilisator und Verdickungsmittel für Nahrungsmitteln in Konserven zum Einsatz (1).

Waxy Maize (wachsartige Maisstärke) weist im Vergleich zu Dextrose oder Maltodextrin ein höheres Molekulargewicht und eine sehr viel niedrigere Osmolarität auf, doch was bedeutet dies für den Anwender? Hauptsächlich, dass Waxy Maize den Magen unbeschädigt passiert, erst im Darm absorbiert wird und dort sofort aufgenommen wird. Dies alles geschieht mit einer sehr viel schnelleren Rate als bei Dextrose oder Maltodextrin – genauer gesagt fast doppelt so schnell.

Waxy Maize kann die Absorptionsrate vieler Ihrer Lieblingssupplements wie Kreatin Monohydrat, Kreatin Ethyl Ester, zellvoluminisierende Supplements, Stickstoffoxid Supplements usw. erhöhen. Nährstoffe wie diese verbleiben häufig im Umfeld der aggressiven Magensäure, was sich negativ auf ihre Absorptionsrate auswirkt. Waxy Maize hilft dabei, diese Nährstoffe schneller durch den Magen zu schleusen und erlaubt es dem Körper diese Nährstoffe sehr viel schneller aufzunehmen.

Waxy Maize besitzt die Fähigkeit die Glykogenspeicher des Körpers sehr viel schneller wiederaufzufüllen, als dies mit einer Mischung aus Dextrose und Maltodextrin möglich ist. Dies wird einmal mehr durch die Fähigkeit von Waxy Maize ermöglicht, den Magen schnell zu passieren und in den Darm für eine sofortige Aufnahme zu gelangen. Die Fähigkeit von Waxy Maize all diese Nährstoffe und Stärke schnell durch den Magen zu schleusen, gibt dem Körper einen sofortigen Pump, den Sie körperlich in Ihren Muskeln nach dem Training fühlen können. Sie werden einen sehr viel größeren, volleren und runderen Muskelkörper sehen.

Die Studie

Anders als gewöhnliche Maisstärke besteht WMS zu einem sehr großen Teil (bis zu 100 Prozent) aus Amylopektin. Amylopektin ist eine lange Kette von Glukosemolekülen mit abzweigenden Seitenketten, die an Abzweigungen einer Autobahn erinnern. Gewöhnliche Maisstärke besteht aus Amylopektin und einer nennenswerten Menge Amylose, welche eine lange, aufgerollte Glukosekette ohne Verzweigungen darstellt.

Schneller Vorlauf um 50 Jahre an eines der Top Sporternährungslaboratorien an der Ball State University in Indiana. Für fast zwei Jahrzehnte wurden am Laboratorium von Dr. David Costillo zahlreiche Untersuchungen mit Fokus auf Kohlenhydrate, Leistungsfähigkeit und Muskelglykogenverwendung durchgeführt. In den frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts führte Costillos Laboratorium zwei unterschiedliche Vergleichstests durch:

  1. Wie verhält sich WMS bezüglich der glykämischen (Blutzucker) und insulinämischen (Insulin Blutspiegel) Reaktion als Energielieferant vor dem Training und wie beeinflusst WMS die Fett- und Kohlenhydratverbrennung?
  2. Wie verhält sich WMS bezüglich der Muskelglykogen Resynthese nach einer erschöpfenden Trainingseinheit?

Im Rahmen der ersten Studie bekamen 10 männliche Eliteradsportler (Ja, ich weiß, was zum Teufel hat eine Studie mir Radsportlern mit der Muskelentwicklung zu tun? Aber lest bitte trotzdem weiter…) eines von vier unterschiedlichen Supplements zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten:

  1. Dextrose (Glukose)
  2. WMS (100 Prozent Amylopektin)
  3. Resistente Stärke (resistent gegenüber der Verdauung und langsam/schlecht absorbierbar, bestehend aus 70 Prozent Amylose und 30 Prozent Amylopektin)
  4. Ein mit Süßstoff künstlich gesüßtes Placebogetränk ohne Kalorien

Alle vier Supplements wurden gesüßt und aromatisiert und in Form eines Drinks (18,7 Prozent Kohlenhydratlösung) in einer Dosierung von 1 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht 30 Minuten vor eine 2 Stunden andauernden Trainingseinheit auf einem Ergometer verabreicht (2).

Die Glukose- und Insulinreaktion war nach der Verabreichung von Glukose um den Faktor 2 bis 2,5 höher als nach der Verabreichung von WMS. Dies dürfte die erste Humanstudie sein, die zeigt, dass es sich bei WMS um ein niederglykämisches/nierderinslinämisches Kohlenhydrat handelt. Nach 15 Minuten Training zeigte sich bei allen Gruppen ein Abfall der Insulinspiegel und der Blutzuckerspiegel auf Werte, die Unterhalb der der Ausgangswerte vor der Verabreichung der Supplements lagen. Während der letzen 30 Minuten des Trainings wurden die Probanden dazu aufgefordert alles zu geben, was sie konnten. Dextrose und WMS ermöglichten eine Arbeitsleistung, die Signifikant höher als bei Verabreichung des Placebos ausfiel und bei WMS und Dextrose ungefähr im gleichen Bereich lag. Bezüglich der Kohlenhydrat- und Fettverbrennung gab es keine Unterschiede zwischen Dextrose und WMS.

Während der zweiten Studie wurden 8 männliche Eliteradsportler (lest weiter, hier gibt es eine Verbindung) vor einer Trainingseinheit zur Entleerung der Kohlenhydratspeicher für zwei Tage auf eine moderat kohlenhydrathaltige Ernährung (55 Prozent Kohlenhydrate/25 Prozent Fett/20 Prozent Eiweiß) gesetzt (3). Dies wurde viermal mit jeweils einem anderen der folgenden Kohlenhydratsupplements als einzige Kohlenhydratquelle nach der Entleerung der Kohlenhydratspeicher wiederholt:

  1. Dextrose (Glukose)
  2. Maltodextrin
  3. WMS (100 Prozent Amylopektin)
  4. Resistente Stärke (100 Prozent Amylose)

Direkt nach dem Training wurde eine Quadrizeps Biopsie durchgeführt.

Die Kohlenhydratsupplements wurden von den Sportlern in flüssiger Form in einer Dosierung von 6,5 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht während der folgenden 12 Stunden vor dem Einschlafen konsumiert. Am nächsten Morgen wurde eine weitere Biopsie durchgeführt (der ultimative Muntermacher!). Dextrose, Maltodextrin und WMS Zufuhr zeigten keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Muskelglykogen Resynthese, doch die größte prozentuelle Zunahme (ausgehend von der Glykogenkonzentration nach dem Training) konnte nach dem Konsum von Dextrose beobachtet werden. Im Jahr 2002 verglich dasselbe Universitätslabor, das den glykämischen Index entwickelt hatte, eine 75 Gramm Dosis WMS mit Maltodextrin, Sucrose (Tafelzucker) und einer amylosereichen Maisstärke – alle in Form eines Getränks (4). Maltodextrin und Sucrose zeigten während der ersten 15 bis 45 Minuten nach dem Verzehr eine um den Faktor 1,6 bis 2,9 stärkere glykämische Reaktion. Im letzten Juli bestätigte eine Studie, dass es sich bei WMS um ein erstklassiges langsam verdauliches, niederglykämisches Kohlenhydrat handelt, das nur eine geringe Insulinausschüttung bewirkt. Wissenschaftler der Purdue University veröffentlichten eine über 4 Stunden verlaufende glykämische Indexstudie, die 50 Gramm WMS mit einer Mischung aus 78 Prozent Maltodextrin und 22 Prozent Sucrose (MS) sowie Weißbrot verglich (5). WMS und die MS Mischung wurden in Form eines gesüßten Gels verabreicht. Die glykämische Reaktion auf WMS und Weißbrot fiel nahezu identisch aus und war während der ersten 60 Minuten etwa um den Faktor 2 bis 3 niedriger und langsamer als die glykämische Reaktion auf die MS Mischung. Nach 3 und 4 Stunden führten nur Weißbrot und WMS nicht zu einem Abfall der Blutzuckerspiegel auf Werte, die unter dem Ausgangswert vor der Kohlenhydratgabe lagen. Die Maximale Insulinreaktion auf WMS fiel während der ersten 30 bis 60 Minuten nur etwa halb so stark wie die maximale Insulinreaktion auf Weißbrot aus und lag nur bei etwa einem Viertel der maximalen Insulinreaktion auf den MS Mix. Die Gesamterhöhung des Insulinspiegels fiel beim MS Mix fast um den Faktor 3 und bei Weißbrot fast um den Faktor 2 höher als bei WMS aus.

Was bedeutet dies für Bodybuilder und Kraftsportler?

Diese Studien bestätigen, dass es sich bei wachsartiger Maisstärke um ein langsam verdauliches, niederglykämisches Kohlenhydrat handelt und legen nahe, dass WMS von Personen, die anfällig für Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind oder länger als 2 Stunden trainieren, vor dem Training zum Zweck der Energieversorgung verwendet werden kann. WMS kann genauso gut wie Dextrose Energie für das Training liefern. Die Glykogenreaktion von WMS ist der von Glukose und Maltodextrin zumindest ähnlich, auch wenn genaue Werte nur für eine 24 Stunden andauernde Ladephase nach einer Entleerung der Glykogenspeicher bekannt sind, was schwer mit Hilfe eines Widerstandstrainings erreichbar ist. Der durch WMS bewirkte geringere maximale Insulinspitzenwert könnte unter Umständen durch die Zugabe von Wheyprotein oder verzweigtkettigen Aminosäuren verstärkt werden, wobei dies jedoch erst noch durch weitere Studien bestätigt werden muss. Was wir noch nicht wissen ist, wie schnell WMS den Magen passiert (Magenentleerungsrate), da diesbezüglich noch keine Studien durchgeführt wurden. Auch wenn die Osmolalität von WMS sehr viel geringer als bei Dextrose oder Maltodextrin ausfällt, legen Studien, die die glykämischen und insulinämischen Eigenschaften von WMS untersuchten, nahe, dass selbst wenn die Magenpassage schnell erfolgen würde, diese die Rate limitierenden Schritte der Verdauung und Absorption nicht überwinden könnte.

Referenzen

  1. Anon. Agric Food Chem, 1955;3:105-7
  2. Goodpaster BH, et al. Int J Sports Med, 1996;17:366-72
  3. Jozsi AC, et al. Int J Sports Med, 1996;17:373-8
  4. Anderson GH, et al. Am J Clin Nutr, 2002;76:1023-30
  5. Sands AL, et al. Nutr Res, 2009;29:383-90